Bava Metzia 141

Kapitel 141

א בכדי חייו
1 wieviel man zu seinem Lebensunterhaltebraucht.
ב רבינא אמר הכא בתלמידי חכמים עסקינן טעמא מאי גזור רבנן שמא ילמוד ממעשיו וכיון דתלמיד חכם הוא לא ילמוד ממעשיו
2 Rabina erwiderte: Hier wird von Gelehrten gesprochen. Die Rabbanan haben dies aus dem Grunde angeordnet, damit man von seinenHandlungen nicht lerne, und ein Gelehrter wird von seinen Handlungen nichts lernen.
ג איכא דמתני לה להא דרב הונא אהא דתני רב יוסף (שמות כב, כד) אם כסף תלוה את עמי את העני עמך עמי ונכרי עמי קודם עני ועשיר עני קודם ענייך ועניי עירך ענייך קודמין עניי עירך ועניי עיר אחרת עניי עירך קודמין
3 Manche beziehen die Erklärung R. Honas auf folgende Lehre R. Josephs:<i>Wenn du Geld leihst jemand aus meinem Volke, einem Armen, der bei dir wohnt;</i> von einem aus meinem Volke und einen Nichtjuden geht der aus meinem Volke vor; von einem Armen und einem Reichen geht der Arme vor; von deinen Armen und den Armen deiner Stadt gehen deine Armen vor; von den Armen deiner Stadt und den Armen einer anderen Stadt gehen die Armen deiner Stadt vor.
ד אמר מר עמי ונכרי עמי קודם פשיטא אמר רב נחמן אמר לי הונא לא נצרכא דאפילו לנכרי ברבית ולישראל בחנם
4 (Der Meister sagte:) ‘Von einem aus meinem Volke und einem Nichtjuden geht der aus meinem Volke vor.’ Selbstverständlich!? R. Naḥman erwiderte: Hona erklärte mir, selbst wenn einem Nichtjuden auf Wucher und einem Jisraéliten umsonst.
ה תניא אמר ר' יוסי בא וראה סמיות עיניהם של מלוי ברבית אדם קורא לחבירו רשע יורד עמו לחייו והם מביאין עדים ולבלר וקולמוס ודיו וכותבין וחותמין פלוני זה כפר באלהי ישראל
5 Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Komm und sieh, wie verblendet die Augen der Wucherer sind; wenn ein Mensch seinen Nächsten Frevler nennt, so geht er ihm ans Lehen; diese aber holen Zeugen, einen Schreiber, einen Kalam und Tinte und schreiben und unterzeichnen: dieser hat den Gott Jisraéls verleugnet.
ו תניא ר' שמעון בן אלעזר אומר כל מי שיש לו מעות ומלוה אותם שלא ברבית עליו הכתוב אומר (תהלים טו, ה) כספו לא נתן בנשך ושוחד על נקי לא לקח עושה אלה לא ימוט לעולם הא למדת שכל המלוה ברבית נכסיו מתמוטטין והא קא חזינן דלא מוזפי ברבית וקא מתמוטטין אמר רבי אלעזר הללו מתמוטטין ועולין והללו מתמוטטין ואינן עולין
6 Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Über den, der Geld hat und es ohne Wucher verleiht, spricht die Schrift:<i>der sein Geld nicht um Zins gibt und nicht Bestechung gegen die Unschuldigen nimmt; wer so handelt, wird ewig nicht wanken.</i> Du lernst also, daß, wenn jemand [Geld] auf Wucher verleiht, sein Vermögen zugrunde geht. – Wir sehen ja aber, daß manche kein [Geld] auf Wucher verleihen, und ihr Vermögen dennoch zugrunde geht!? R. Elea͑zar erwiderte: Die einen gehen zugrunde und kommen wieder empor, die anderen gehen zugrunde und kommen nicht wieder empor.
ז (חבקוק א, יג) למה תביט בוגדים תחריש כבלע רשע צדיק ממנו אמר רב הונא צדיק ממנו בולע צדיק גמור אינו בולע
7 <i>Warum siehst du die Treulosen an, schweigest, wenn der Frevler einen frömmeren ah er verschlingt</i>. R. Hona erklärte: Einen frömmeren als er verschlingt er, einen vollkommen Frommen verschlingt er nicht.
ח תניא רבי אומר גר צדק האמור לענין מכירה וגר תושב האמור לענין רבית איני יודע מה הוא
8 Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Die Nennung des Proselyten beim Verkaufeund die des Beisaßproselyten beim Wucher verstehe ich nicht.
ט גר צדק האמור לענין מכירה דכתיב (ויקרא כה, לט) וכי ימוך אחיך עמך ונמכר לך ולא לך אלא לגר שנא' (ויקרא כה, מז) לגר
9 Des Proselyten beim Verkaufe, denn es heißt:<i>wenn dein Bruder neben dir verarmt und sich dir verkauft;</i> nichtnur dir, sondern auch einem Proselyten, denn es heißt:<i>einem Fremdling;</i>
י ולא לגר צדק אלא לגר תושב שנא' (ויקרא כה, מז) לגר תושב משפחת גר זה הנכרי כשהוא אומר או לעקר זה הנמכר לעבודת כוכבים עצמה
10 und nicht nur einem wirklichen Proselyten, sondern auch einem Beisassen, denn es heißt: <i>einem Beisaßfremdling;</i> unter <i>Fremdlingsgeschlecht</i> ist ein Nichtjude zu verstehen, und wenn es noch <i>Abkömmling</i> heißt, so ist darunter der Verkauf für den Götzendienstselbst zu verstehen.
יא אמר מר ולא לך אלא לגר שנא' לגר למימרא דגר קני עבד עברי ורמינהי אין הגר נקנה בעבד עברי ואין אשה וגר קונין עבד עברי
11 Der Meister sagte: Und nicht nur dir, sondern auch einem Proselyten, denn es heißt: <i>einem Fremdling</i>. Demnach kann ein Proselyt einen [jüdischen] Sklaven eignen; ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Ein Proselyt kann nicht als jüdischer Sklave geeignet werden, auch können eine Frau und ein Proselyt keinen jüdischen Sklaven eignen.
יב גר לא נקנה בעבד עברי (ויקרא כה, מא) ושב אל משפחתו בעינן והא ליכא ואין אשה וגר קונין עבד עברי אשה לאו אורח ארעא גר נמי גמירי דמקני קני דלא מקני לא קני
12 Ein Proselyt kann nicht als jüdischer Sklave geeignet werden, denn es heißt:<i>er soll zu seiner Familie zurückkehren</i>, was er nicht kann. Eine Frau und ein Proselyt können keinen jüdischen Sklaven eignen; eine Frau, weil dies unschicklich ist, und hinsichtlich eines Proselyten haben wir eine Überlieferung, wer [als Sklave] geeignet werden kann, könne einen solchen eignen, und wer nicht geeignet werden kann, könne auch nicht eignen.
יג אמר רב נחמן בר יצחק אינו קונה ודינו כישראל אבל קונה ודינו כנכרי
13 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Er kann nicht eignen mit dem Rechte eines Jisraéliten, wohl aber kann er mit dem Rechte eines Nichtjuden eignen.
יד דתניא הנרצע והנמכר לנכרי אינו עובד לא את הבן ולא את הבת
14 Es wird nämlich gelehrt: der Angebohrteund der an einen Nichtjuden Verkaufte braucht weder dem Sohne noch der Tochterzu dienen.
טו אמר מר ואין אשה וגר קונין עבד עברי נימא דלא כרבן שמעון בן גמליאל דתניא אשה קונה את השפחות ואינה קונה את העבדים רבן שמעון בן גמליאל אומר אף קונה את העבדים אפילו תימא רבן שמעון בן גמליאל ולא קשיא כאן בעבד עברי כאן בעבד כנעני
15 Der Meister sagte: Eine Frau und ein Proselyt können keinen jüdischen Sklaven eignen. Also nicht nach R. Šimo͑n b. Gamliél, denn es wird gelehrt: Eine Frau kann Mägde eignen, aber keine Sklaven; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, sie könne auch Sklaven eignen. – Du kannst auch sagen, nach R. Šimo͑n b. Gamliél, dennoch ist dies kein Widerspruch, denn eines gilt von jüdischen Sklaven und eines gilt von kenaa͑nitischen Sklaven;
טז עבד עברי צניע לה עבד כנעני פריץ לה
16 ein jüdischer Sklave ist verschwiegen, ein kenaa͑nitischer Sklave ist zügellos. –
יז אלא הא דתני רב יוסף ארמלתא לא תרבי כלבא ולא תשרי בר בי רב באושפיזא בשלמא בר בי רב צניע לה אלא כלבא כיון דמסריך בה מירתתא אמרי כיון דכי שדיא ליה אומצא מסריך בתרה אמרי אינשי משום אומצא דשדיא ליה הוא דמסריך
17 Wieso lehrte R. Joseph demnach, eine Witwe dürfe keinen Hundziehen und keinen Jünger bei sich wohnen lassen; allerdings keinen Jünger, weil er verschwiegen ist, weshalb aber keinen Hund, sie fürchtet ja, da sie ihn dadurch anlockt!? – Ich will dir sagen, da er ihr, wenn sie ihm ein Stückchen Fleisch zuwirft, ebenfalls nachläuft, so sagen die Leute, er laufe ihr wegen des Stückchens Fleisch nach.
יח גר תושב האמור לענין רבית מאי היא דכתיב (ויקרא כה, לה) וכי ימוך אחיך ומטה ידו עמך והחזקת בו גר ותושב וחי עמך אל תקח מאתו נשך ותרבית ויראת מאלהיך וחי אחיך עמך ורמינהי לוין מהן ומלוין אותן ברבית וכן בגר תושב
18 Welches Bewenden hat es mit dem Beisassen beim Wucher? – Es heißt:<i>wenn dein Bruder verarmt, daß er sich neben dir nicht halten kann, so sollst du ihn aufrecht erhalten, einen Fremdling oder einen Beisassen, daß er neben dir lebe; du darfst nicht Zins und Wucher von ihm nehmen; du sollst dich vor deinem Gott fürchten; es soll dein Bruder neben dir leben</i>. Dem widersprechend wird ja aber gelehrt, man dürfe von ihnen auf Wucher leihen und an sie verleihen!?
יט אמר רב נחמן בר יצחק מי כתיב אל תקח מאתם מאתו כתיב מישראל
19 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Es heißt ja nicht: du darfst von ihnen nicht nehmen, es heißt: von ihm, einem Jisraéliten.
כ תנו רבנן אל תקח מאתו נשך ותרבית אבל אתה נעשה לו ערב
20 Dio Rabbanan lehrten: <i>Du darfst nicht Zins und Wucher von ihm nehmen,</i> wohl aber darfst du ihm Bürge sein.